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Liebe Leserinnen und Leser,

das zurückliegende Jahr 2013 hielt auch für niederrheinbus.de wieder etliche berichtenswerte Ereignisse bereit. Sichtbarste Neuigkeit war allerdings einmal mehr die Indienststellung neuer Fahrzeuge durch die kommunalen Verkehrsunternehmen. Dabei wurden erstmals Linienbusse in Dienst gestellt, deren Motoren bereits die erst ab Januar 2014 verpflichtende Abgasnorm Euro VI erfüllen. Damit belegen die Verkehrunternehmen erneut ihr Engagement, mit dem Einsatz schadstoffarmer Fahrzeuge einen Beitrag zur Verbesserung der Luft- qualität in den Städten zu leisten.

Das ist im Kontext der Einführung und Verschärfung von Umweltzonen vorbildlich und kann dazu beitragen, das Bild des Nahverkehrs als umweltfreundliche Alternative zu manifestieren. Gleichwohl machen beispiels- weise in Mönchengladbach 200 Omnibusse bei mehr als 150.000 zugelassenen Kraftfahrzeugen nur gut 0,1 Prozent aus. Einen spürbaren Beitrag zur Verringerung der Schadstoffbelastung kann da auch die modernste Busflotte kaum leisten. Oder anders ausgedrückt: Je mehr Menschen den ÖPNV statt des eigenen PKW nutzen, umso größer ist der Effekt für den Umweltschutz - unabhängig von der Abgasnorm der eingesetzten Busse.

Urbino 12 der SWK als Modell
 
Vor einigen Monaten ist erneut ein Busmodell nach Vor- bild vom linken Niederrhein erschienen. Den Solaris Ur- bino 12 der Stadtwerke Krefeld MOBIL GmbH (SWK) hat VK-Modelle im H0-Maßstab 1:87 produziert. Dabei wur- den vier unterschiedliche Versionen realisiert, die sich in Wagennummern und Zielschildern unterscheiden. Die Busmodelle wurden exklusiv durch den Fachhändler Crefelder Lokschuppen aufgelegt und sind im Ladenge- schäft sowie im Webshop für 29,99 EUR erhältlich.
 
















 
Die Beschaffung der Euro VI-Busse in diesem Jahr leitet indes zu einer weite- ren Erkenntnis: Im Linienbus ist der klassische Dieselmotor auch für die nächs- ten Jahre der Antriebsstrang der Wahl. Gerade die am Niederrhein beschaffte neue Ausführung des Citaro von Mercedes-Benz zeigt, wie sehr die Entwickler um die Verbesserung der Effizienz bemüht sind. Die neuen Motoren und die er- forderliche Technik zur Abgasreinigung für Euro VI bedeuteten zunächst einmal erhebliches Mehrgewicht, das weder dem Dieselverbrauch noch der Zuladung der Fahrzeuge zuträglich ist. Durch zahlreiche konstruktive Maßnahmen und intelligente Technik konnte aber sowohl eine Reduzierung des Gesamtgewichts gegenüber dem Vorgängermodell als auch ein geringerer Verbrauch erreicht werden. Die höheren Anschaffungskosten für Euro VI-Busse sollen sich durch einen geringeren Verbrauch und günstigeren Betrieb insgesamt amortisieren. Bei effizienteren Dieselmotoren werden es Hybridbusse mittelfristig schwer ha- ben, sich am Markt durchzusetzen. Zu hoch sind die Mehrkosten, zu gering die Verbrauchseinsparungen - das sind die zentralen Erkenntnisse aus dem Be- trieb der gut 200 in Deutschland eingesetzten Hybridbusse, von denen 2011 eine ganze Reihe auch zu den hiesigen Verkehrsunternehmen gelangte.

Nach dem "Hybridbus-Hype" vor drei Jahren ist die Entwicklung dann auch schon einen Schritt weiter: Zunehmend kommen vollelektri- sche Batteriebusse auf den Markt, die auf einen Dieselmotor völlig verzichten. Übrigens kein Phänomen des neuen Jahrtausends: In Mönchengladbach hatte es bereits in den 1970er Jahren einen Versuch mit Batteriebussen gegeben, der aber nach kurzer Zeit beendet wurde. Das grundlegende Problem ist 40 Jahre später das selbe: Batterien mit ausreichender Kapazität sind zu schwer, das Nachladen auf der Strecke sehr aufwändig. Durch die Fortschritte bei Batterie- und Ladetechnik zeichnen sich aber für die nächsten Jahre Lösungen ab, die einen Batteriebetrieb zumindest technisch zuverlässig möglich erscheinen lassen.

Dennoch: Die Investitions- und Betriebskosten werden auf Jahre hinaus erheblich über denen für einen kon- ventionellen Dieselbus liegen. Wenn entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt werden, können sich Indus- trie und Betreiber über ein Innovationsprojekt freuen. Ob alleine dadurch auch zusätzliche Fahrgäste gewon- nen werden können, bleibt allerdings dahingestellt. Die Abgasnorm des Busses ist für die Verkehrsmittel- wahlentscheidung weit nachrangig. Für den (potenziellen) Kunden zählen kurze Wege zur nächsten Halte- stelle, dichte Takte und kurze Fahrzeiten zu den entscheidenden Merkmalen. Die Aufmerksamkeit von Politik wie Verkehrsunternehmen sollte also zuallererst dem Angebot gelten.

In diesem Sinne blicken wir gespannt auf das neue Jahr und wünschen Ihnen ein schönes Weihnachtsfest, einige ruhige Feiertage und einen guten Start ins Jahr 2014. Für Ihr Interesse an niederrheinbus.de bedanken wir uns herzlich!

Leinfelden-Echterdingen, im Dezember 2013

Manuel Bosch